Zeit für gefährdete Nützlinge

Kaum lassen wärmende Sonnenstrahlen das letzte Eis schmelzen, erwacht vielerorts verstecktes Leben. Auch Amphibien sind nun wieder aktiv – und leider ebenso gefährdet. Das Problem: Die kleinen Lurche müssen zur Fortpflanzung an ein Gewässer gelangen. Und der Weg dorthin birgt viele Risiken. Die Stadt Braunschweig unternimmt viel, um diese nützlichen Sympathieträger wirksam zu schützen. Mit technischen Mitteln und ehrenamtlichen Helfern.

Grasfrosch (Rana temporaria) mit seltener rötlicher Färbung. Bild: Stadt Braunschweig.

Während sie im Winter gut versteckt erstarren, gehen sie im Frühjahr kriechend und hüpfend auf Partnersuche. Es mag Menschen geben, die bei ihrem Anblick die Nase rümpfen. Doch zumeist gelten Amphibien als liebenswerte Geschöpfe. Und für manche ist ein Froschkonzert der Inbegriff romantischer Sommerabende. Amphibien, die man in Frosch- und Schwanzlurche unterscheidet, treten in unserer Region zwar vielfältig in Erscheinung, doch ihre Zahl schrumpft. Ob Grasfrosch oder Erdkröte oder Kammmolch. Die putzigen, manchmal skurril wirkenden Gattungen sind nicht nur nett anzusehen. Sie erfüllen in ihren Lebensräumen auch wichtige Funktionen für ein intaktes Ökosystem.

Kammmolch (Triturus cristatus) – charakteristisch durch seinen imposanten Rückenkamm und stark kontrastierte Bauchfärbung. Bild: Stadt Braunschweig.
Ökologisch wichtig und stark bedroht

Mit ihrem Speiseplan regulieren sie die Populationen von Insekten, Spinnen und Schnecken. Andererseits sind sie selbst eine wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere wie Marder, Vögel oder Schlangen. Sterben Arten aus, gerät das System aus dem Gleichgewicht – mit weitreichenden Folgen, die letztlich auch Menschen betreffen. Von den 21 in Deutschland lebenden Amphibienarten sind 13 in Braunschweig heimisch. Da alle bedroht sind, stehen sie bundesweit unter Schutz. Die Folgen durch Baumaßnahmen und Landwirtschaft bekommen Amphibien leider besonders zu spüren, da immer mehr ihrer Lebensräume verdrängt oder stark belastet werden. Obendrein werden sie im Zuge des Klimawandels durch intensive Trockenperioden bedroht. Denn zur Fortpflanzung brauchen sie geeignete Wasserstellen. Das Problem ist nicht neu und die Stadt Braunschweig unternimmt viel, um die Lurche zu schützen.

Biotopverbund als Herausforderung

„Entscheidend ist ein intakter Biotopverbund. Sobald die Lebensräume der Amphibien durch Straßen oder Bebauung zerschnitten werden, sind ihre natürlichen Wanderbewegungen gestört. Für die kleinen Tiere ist das eine schwer überwindbare, meist lebensgefährliche Hürde,“ erklärt Katrin Hacke. Sie ist bei der Stadt Braunschweig für den Amphibienschutz und die Betreuung von Schutzgebieten verantwortlich. Um die Lücken im Biotopverbund wieder zu schließen, ist die Umweltbehörde schon seit Jahrzehnten aktiv. Spezielle Leiteinrichtungen mit Auffangbehältern sind stellenweise auch durch Tunnel ergänzt. Frösche, Kröten und deren Artgenossen können dadurch nahezu barrierefrei zu ihren Laichgewässern gelangen. Die Effekte der Maßnahmen werden in den dokumentierten Zahlen deutlich: Dank tatkräftiger Unterstützung ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer werden an den derzeit 19 Amphibienwechseln in Braunschweig jährlich rund 10.000 Tiere gezählt. Der Einsatz lohnt sich also.

Moorfrosch (Rana arvalis) – während der Laichzeit leuchten die Männchen in auffälligem Blau. Bild: Stadt Braunschweig.
Durch spezielle Querungshilfen und ehrenamtliche Unterstützer gelangen Amphibien fast barrierefrei zum Gewässer. Bild: Stadt Braunschweig.
Jeder kann einen Beitrag leisten

Da ihr das Wohl von Amphibien sehr am Herzen liegt, freut sich Katrin Hacke über den alljährlichen Einsatz der Unterstützer. Wer Braunschweigs Lurchen auf ihren morgendlichen Wanderungen zum Gewässer helfen möchte, darf sich gerne direkt bei ihr melden. Vor allem wünscht sie sich, dass Autofahrer an den Amphibienwechseln vom Gaspedal gehen. Ihr persönlicher Appell: „An den mit Schildern gekennzeichneten Stellen: Bitte langsam fahren.“ Auch das ist ein wichtiger Beitrag, um die bedrohten Nützlinge wirksam zu schützen.

Infos für alle, die beim Amphibienwechsel mithelfen wollen:

Was? – Aufgabe der Helfer ist es, die Auffangbehälter an den Amphibienwechseln zu kontrollieren, die Tiere zu dokumentieren und auf der anderen Straßenseite wieder auszusetzen.

Wann? – Die Amphibienwanderung beginnt je nach Witterung zwischen Mitte Februar und Anfang März und dauert etwa vier bis sechs Wochen. Um die Arbeit gut zu verteilen, werden ehrenamtliche Helfer für ein bis zwei Termine pro Woche eingeteilt – jeweils in den Morgenstunden bis 9 Uhr.

Wo? – Wer in Braunschweig aktiv mithelfen möchte, meldet sich bitte bis Ende Januar 2026 per E-Mail bei: Katrin.Hacke@braunschweig.de. Hierüber stimmt man auch den genauen Einsatzort ab.

Vielen Dank für Ihren Einsatz beim Amphibienschutz!

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