Mit modernster Technik unterwegs in den Kanälen

Mit einem spezialisierten, umfangreich ausgestatteten Fuhrpark hält die Stadtentwässerung Braunschweig (SE|BS) GmbH insgesamt 1450 Kilometer öffentliches Kanalnetz in der Stadt funktionstüchtig. Rund 80 Mitarbeitende überprüfen und reinigen Kanäle und Rohre und reparieren undichte Stellen.

Die Welt, mit der sich die Kollegen aus der Abteilung Betrieb Netz täglich auseinandersetzen, liegt weitgehend unter der Erde. Die Leitungssysteme sind für die meisten Menschen nur dann sichtbar, wenn Baustellen den Blick freigeben.

Für das Team um Abteilungsleiter Felix Brennecke ist die Begutachtung, Reinigung und Reparatur unterirdischer Rohre, Kanäle und weiterer abwassertechnischer Anlagen wie Pumpwerke und Dükeranlagen jedoch Alltag. Dabei leisten hochtechnisierte Fahrzeuge und Kameras wertvolle Dienste. Die Stadtentwässerung Braunschweig GmbH hat mit rund 20 Spezialfahrzeugen einen einzigartigen Einblick in das im Verborgenen liegende, vernetzte Kanalsystem.

Dennis Bertram und die Auszubildende Marie-Luise Moreau bedienen das ADR-Saugfahrzeug. Bild: Karsten Mentasti.

„Wenn ich jetzt durch die Straßen gehe, sehe ich die Stadt mit einem anderen Blick“, sagt Marie-Luise Moreau, Auszubildende zur Umwelttechnologin für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen. „Ich habe vor der Ausbildung nicht gewusst, wie spektakulär die Welt unter der Straße aussieht.“ Bei der SE|BS wird die neu gestaltete, dreijährige Ausbildung mit dem Schwerpunkt Rohrleitungsnetze angeboten. Die 19-Jährige befindet sich im ersten von drei Ausbildungsjahren.

„Ich habe vor der Ausbildung nicht gewusst, wie spektakulär die Welt unter der Straße aussieht.“

Marie-Luise Moreau, Auszubildende zur Umwelttechnologin für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen

Die Berufe für die Kontrolle und Instandsetzung von Abwasser- und Regenwasserkanälen hießen früher schlicht Ver- und Entsorger oder später Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Doch die Qualifikationsanforderungen bei der Wartung und Sanierung von Rohrleitungen und Kanalsystemen sind durch neue Technologien und Verfahren gestiegen. Außerdem spielen Herausforderungen wie der Klimawandel und Anforderungen im Hinblick auf Nachhaltigkeit heute eine wichtige Rolle. Umwelttechnologen für Rohrleitungsnetze sorgen dafür, dass Abwasser aus Haushalten und Industrie sicher zur Wiederaufbereitung gelangt. Auszubildende für diese spannenden Tätigkeiten werden immer gesucht.

Pro Jahr wird ein Zehntel des Braunschweiger Kanalnetzes turnusgemäß inspiziert. Wurzeln, Frost und Erdbewegungen können die Systeme im Boden schädigen, ebenso Verunreinigungen durch Splitt, Steine oder andere Feststoffe. Dabei kommt es nur noch selten vor, dass Mitarbeitende in die großen Kanäle hinabsteigen und die Beschaffenheit durch Inspektionsgänge kontrollieren.Von den 1450 Kilometern Kanalnetz haben überhaupt nur rund 20 Kilometer, also knapp 1,5 Prozent, einen Durchmesser von 80 Zentimetern oder mehr. Nur sie sind überhaupt zum Einstieg geeignet. Die meisten Arbeiten erledigen Marie-Luise Moreau und ihre älteren Kollegen, viele übrigens Quereinsteiger aus anderen Berufen, durch das Bedienen von moderner Technik. Perspektivisch kommen für Berufsanfänger Weiterbildungen zum Meister, Techniker oder Ingenieur in Betracht.

Die meisten Kanalabschnitte werden mit modernsten Kameras auf Funktionstüchtigkeit und Unversehrtheit untersucht. Sie werden aus entsprechend ausgestatteten Fahrzeugen von der Straße gesteuert. Bis zu vier Kameras stehen, je nach Rohrdurchmesser und Einsatzzweck, zur Verfügung. Sie senden aus dem Kanal einen Rundumblick auf Monitore in den Einsatzwagen. Das teuerste dieser Kamerafahrzeuge kostet knapp eine halbe Million Euro, andere Fahrzeuge der Flotte bis zu 700.000 Euro.

Das Schwergewicht der Spezialflotte der Stadtentwässerung Braunschweig GmbH ist ein Saugfahrzeug mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 28 Tonnen. Es ist auch geeignet zum Absaugen und Transport von gefährlichen Gütern. Von Fahrern wie Dennis Bertram erfordert es viel Geschick, das mit Schlauchsystemen und Tankbehältern ausgestattete Fahrzeug auch durch enge Straßen zu manövrieren. Der Koloss wird hauptsächlich dafür eingesetzt, Flüssigkeiten und Feststoffe aus Gruben sowie Fett- und Leichtflüssigkeitsabscheidern abzusaugen. Auch auf Anforderung der Feuerwehr kommt das Sonderfahrzeug zum Einsatz, etwa um nach Unfällen ölhaltige Flüssigkeiten aufzunehmen.

Mehr Infos zu Ausbildung und Studium bei der SE|BS gibt es auf www.se-bs.de.

Ein Blick in die Fahrzeughalle von SE|BS mit rund 20 Sonderfahrzeugen. Bild: Karsten Mentasti.

Falls Gegenstände im Gully verloren gegangen sein sollten, starten Sie bitte auf keinen Fall Selbstversuche, um das Verlorene zu bergen! Die Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE|BS)  ist über die Notrufnummer 0531/38345383 jederzeit, also 24/7, erreichbar, falls Gegenstände im Gully abhandengekommen sind. Mit dem Saug-Spülwagen oder einem starken Magneten wird der verlorene Gegenstand dann von den Fachkräften der SE|BS sicher geborgen. Die Kosten für einen solchen Einsatz liegen erfahrungsgemäß je nach Dauer bei etwa 200 Euro brutto. Andernfalls verbleiben die Gegenstände bis zur nächsten routinemäßigen Reinigung im Sinkkasten.


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