Eine besondere Begegnung auf der Laufbahn

Die besten deutschen Leichtathleten tragen im Vorfeld der Olympischen Spiele ihre Meisterschaft am 29. und 30. Juni wieder im Eintracht-Stadion aus.

Ein Mega-Sportsommer steht an, und neben Paris und den Spielorten der Fußball-Europameisterschaft steht auch Braunschweig im Terminkalender vieler Spitzensportler. Viereinhalb Wochen vor den Olympischen Spielen in Frankreichs Hauptstadt werden im Eintracht-Stadion schon zum sechsten Mal die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften ausgetragen. Am 29. und 30. Juni werden bei Frauen und Männern in je 20 Disziplinen die nationalen Titelträger ermittelt. Dabei werden die besten von ihnen Tickets für die Spiele in Paris ergattern – es ist die letzte Chance dazu für viele Leichtathleten.

Christina Honsel, Vierte bei der Hallen-WM in Glasgow und Deutschlands derzeit beste Hochspringerin. Foto: Theo Kiefner

Dass in dem „viertgrößten Leichtathletik-Stadion in Deutschland“, so Stephan Lemke, Geschäftsführer der Stadthalle Braunschweig Betriebsgesellschaft, die deutschen Meister schon zum vierten Mal kurz vor Olympischen Spielen vergeben werden, war so eigentlich gar nicht vorgesehen. Doch weil sich der Umbau des Heinz-Steyer-Stadions in Dresden um ein Jahr verzögert, vergab der Vorstand des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) die Meisterschaften wie zuletzt 2020 und 2021 an Niedersachsen. Braunschweig sprang gerne ein – und BS|ENERGY gehört zu den Sponsoren der Veranstaltung.

Otto Schlieckmann, Agathe Schlieckmann mit von Maleika Mihambo unterschriebenem Trainingstrikot und Stephan Lemke, Geschäftsführer der Stadthalle Braunschweig Betriebsgesellschaft mbH. Foto: Karsten Mentasti

„Wir haben uns hier einen Namen gemacht“, betonen Stadion-Chef Stephan Lemke (rechts im Bild) und Stadtsportbund-Präsident Otto Schlieckmann (links). Der frühere Läufer, Nachtlauf-Initiator und seit 1979 Präsident des MTV Braunschweig war maßgeblich daran beteiligt, dass die Stadt vor 24 Jahren erstmals den Zuschlag für die Deutschen Meisterschaften erhielt.
Braunschweig hat bei vielen Sportverbänden und Sportlern auch deshalb einen sehr guten Ruf, weil das Publikum immer wieder mit Begeisterungsfähigkeit, Fachkenntnis und Fairness von sich reden macht.

Zu den großen Namen, auf die sich das sportbegeisterte Publikum Ende Juni freuen darf, gehören unter anderem die Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo, 100-Meter-Europameisterin Gina Lückenkemper und Stabhochspringer Bo Kanda Lita Baehre – Vize-Europameister 2022 in München.

Zu den vielen freiwilligen Helfern, die benötigt werden, um so ein Großereignis zu begleiten, gehört von Anfang an auch Agathe Schlieckmann (im Bild oben). „Bei diesen Einsätzen als Volunteer ergeben sich immer viele schöne Gespräche auch mit bekannten Athleten“, wie etwa Diskuswerfer und Urgewalt Robert Harting, berichtet die Ehefrau von Sportfunktionär Otto Schlieckmann.

Yemisi Ogunleye, Vize-Weltmeisterin in der Halle im Kugelstoßen. Foto: Jan Papenfuss

An die Meisterschaft 2020, die erste unter Corona-Bedingungen, denkt die pensionierte Grundschullehrerin wegen eines besonderen Erlebnisses oft zurück: Damals musste die Europameisterin und WM-Dritte im 3.000 Meter Hindernislauf, Gesa Krause, an einem extrem heißen Tag als Favoritin plötzlich aufgeben und schied völlig erschöpft vorzeitig aus dem Rennen aus. „Sie stand da neben der Bahn wie ein Häufchen Elend, die Kameras auf sie gerichtet“, erinnert sich Agathe Schlieckmann, damals als Helferin eingesetzt am Info-Point für die Athleten. „Da bin ich zu ihr hin und habe sie erstmal in die Katakomben des Stadions geführt, damit sich nicht gleich alle auf sie stürzen und ihre Tränen filmen“, erzählt sie. Erst als sich Krause abseits der Öffentlichkeit etwas beruhigt hatte, stellte sie sich den Medien.

Die gute Tat blieb nicht unbelohnt. Zum Dank erhielt die Helferin vom DLV ein rotes Trainingsleibchen mit der Unterschrift von Weitspringerin Malaika Mihambo, damals schon Weltmeisterin.

Mit der aktuell erfolgreichsten deutschen Leichtathletin gibt es in diesem Sommer in Braunschweig wohl genauso ein Wiedersehen wie mit Gesa Krause. „Ich werde mich auf jeden Fall wieder als Volunteer bewerben. Und wenn das nicht klappt, setze ich mich halt auf die Tribüne“, meint Agathe Schlieckmann.

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