Hinter den Kulissen von La traviata: Die Geheimnisse des Produktionsleiters

Während zwischen Dom und Handwerkskammer beim Burgplatz Open Air Arien, Duette und Chorgesang von La traviata ertönen, begleitet vom Staatsorchester Braunschweig, hat Produktionsleiter David Els den Löwenanteil seiner Arbeit bereits erledigt. Wir trafen den gelernten Bühnenmeister für Veranstaltungstechnik hinter den Kulissen, wenige Tage vor der Premiere.

David Els, für das Staatstheater Produktionsleiter des Burgplatz Open Air, hat von diesem Platz aus den besten Überblick über die Freiluft-Arena.
David Els, für das Staatstheater Produktionsleiter des Burgplatz Open Air, hat von diesem Platz aus den besten Überblick über die Freiluft-Arena. Bild: Karsten Mentasti

Wichtig ist für seine Arbeit, dass er zum Beispiel den Kran zum Auf- und Abbau der Sommer-Arena rechtzeitig ordern und im Vorfeld die Tätigkeiten aller Gewerke koordiniert. „Auch mit den Handwerkern am Landesmuseum musste gesprochen werden, damit sie ihre eigene Baustelle zurückbauen“, erklärt der 52-Jährige. Die Handwerkskammer stellt Räume etwa für Chöre und Kostüme zur Verfügung. „Die Absprachen funktionieren“, betont der Mann, der vor seinem festen Engagement am Staatstheater bis 2016 die Bands Camouflage, Oomph! und Fools Garden auf Tourneen begleitete. Für das Burgplatz Open Air ist er seit der Carmen-Aufführung 2018 als Produktionsleiter zuständig.

Und damit auch verantwortlich für die Infrastruktur: von Ton und Licht über das Stahlgerüst für die vor einem Jahr um 150 auf 1480 Sitzplätze erweiterte Rundtribüne, Aufenthaltsräume sowie Toiletten für Darstellende, technische Mitarbeitende und Publikum. Und auch für Kameras und Monitore, die im Orchesterraum und an den Durchgängen zur Arena angebracht sind, damit Solisten und Chöre von allen Bühnenstandorten den Leiter des Orchesters, Generalmusikdirektor Srba Dinić, und sein Dirigat im Blick haben.

„Unsere Gewerke machen viel möglich, was sich Bühnenbildner und Regie wünschen.“

Probenfoto aus dem 1. Akt von La traviata – Darsteller und Chor noch weitgehend ohne Kostüme. Die Protagonistin Violetta Valéry steht auf der Hub- und Drehbühne. Bild: Karsten Mentasti

Zudem muss die Logistik während der Veranstaltungswochen reibungslos klappen: „Wir haben alle zwei Tage 30.000 Liter Abwasser, die abgeholt werden müssen“, nennt Els nur ein Detail aus seinem umfangreichen Organisationsplan. „Der Unterschied zu Produktionen in unseren festen Häusern ist, dass für den Burgplatz viele externe Firmen beauftragt werden“, betont er. Es könne ja nicht in jedem Sommer das Große Haus des Staatstheaters leer geräumt werden, „um mit unserer Technik für ein paar Wochen auf den Burgplatz umzuziehen“. Schließlich laufen parallel zum Burgplatz-Event auch in den festen Spielstätten des Theaters schon Proben für die neue Spielzeit – etwa für die Oper Wozzeck und Lessings Komödie Minna von Barnhelm.

Auf der Freiluftbühne auf dem Platz zwischen Burg und Landesmuseum, auf dem zweieinhalb Monate später schon wieder Bratwurst, gebrannte Mandeln und Apfelglühwein an Weihnachtsmarktbesucher verkauft werden, ist nicht jeder Bühnentrick umzusetzen wie in einem festen Theaterbau. „Aber unsere Gewerke machen viel möglich, was sich Bühnenbildner und Regie wünschen“, betont Els. So wird erstmals eine elektronisch angetriebene Hebe-Drehbühne genutzt, die in allen drei Akten der Oper eingesetzt wird: Zunächst für die große Feier der Hauptdarstellerin Violetta Valéry in ihrem Salon, am Ende für ihr Sterbebett. Die hydraulische Rundbühne wurde in den Werkstätten des Theaters konstruiert und gebaut.

„Wenn die Zuschauer die Plätze eingenommen haben, herrscht – was keiner sieht – an den Eingängen in die Arena reges Treiben durch das eingespielte Staatstheater-Team: Requisiten werden bereitgestellt, Sängerinnen, Sänger und kostümierte Chormitglieder stellen sich zum Einmarsch auf, manchmal ziehen sich Schauspieler direkt nach ihrem Abgang von der Bühne dort um.“

Blick auf die fast leere Bühne während einer Orchesterprobe. Bild: Karsten Mentasti

Dass bei der Aufführung diesmal „weder Feuer, Wasser noch Sand“ benötigt werden, habe die Organisation etwas einfacher gemacht. Wenn die Inszenierung in der Arena Flammen erfordere, stünden Theatermitarbeiter mit Feuerlöschern in den Zugängen zum Innenraum bereit, um notfalls schnell einzugreifen. Überhaupt: „Wenn die Zuschauer die Plätze eingenommen haben, herrscht – was keiner sieht – an den Eingängen in die Arena reges Treiben durch das eingespielte Staatstheater-Team: Requisiten werden bereitgestellt, Sängerinnen, Sänger und kostümierte Chormitglieder stellen sich zum Einmarsch auf, manchmal ziehen sich Schauspieler direkt nach ihrem Abgang von der Bühne dort um“, weiß Els. Wenn Pause ist und die Zuschauer ausströmen, ist davon nichts mehr zu sehen, das Material wieder in Nischen versteckt.

Rund 250 Frauen und Männer sind bei jeder Aufführung im Einsatz – auf der Bühne und hinter den Kulissen, vom Einlasspersonal bis zur Maske. Vier Beleuchter, die die großen Verfolger-Scheinwerfer bedienen, sind mittlerweile für das Publikum auch unsichtbar. Während sie früher kurz vor den Vorstellungen auf die Gerüste geklettert sind und laut David Els „diesen Moment der Aufmerksamkeit durchaus genossen haben“, werden die Lichtkegel mittlerweile aus einem Container an der Burg ferngesteuert. Pro Verfolger steht je ein Beleuchter an Pulten mit Monitor, die wie eine Mischung aus Fitness- und Videospielgerät aussehen, und rücken damit die Solisten ins rechte Licht – immer dann, wenn wieder eine Vorstellung des Burgplatz Open Airs startet.

An vier Seiten der Arena stehen Aufbauten mit Ton- und Lichttechnik. Die größten Scheinwerfer, die Verfolger, werden mittlerweile ferngesteuert. Bild: Karsten Mentasti
Davis Els an einem der Pulte in einem Container an der Burg Dankwarderode, von dem Beleuchter während der Aufführungen die Verfolger-Scheinwerfer steuern. Bild: Karsten Mentasti
In den Zugängen wird auf Monitoren der Dirigent gezeigt, damit Solistinnen, Solisten und Chor immer zum richtigen Zeitpunkt mit ihrem Gesang beginnen können. Bild: Karsten Mentasti

Seien Sie auf dem Burgplatz live dabei!

Noch bis zum 10. September 2025 präsentiert das Staatstheater Braunschweig „La traviata“. Es gibt noch Karten:

Theaterkasse im Großen Haus
Am Theater 1
38100 Braunschweig
Telefonischer Kartenverkauf unter 0531-1234 567 oder online.