Geschichten, die zum Entdecken einladen

Das Theater Fadenschein und sein Engagement für Groß und Klein

Bereits seit 40 Jahren begeistert das Theater Fadenschein am Bültenweg sein Publikum mit kreativen und liebevoll ausgestalteten Theaterstücken für große und kleine Menschen. Dabei stehen längst nicht mehr nur Marionetten auf der Bühne, sondern vielfältige, kreative und teilweise abstrakte Stücke, die den Zuschauenden Raum für eigene Assoziationen und viel Fantasie lassen. „Wir legen Wert auf eine sehr große Bandbreite“, erklärt Leiterin und ausgebildete Figurenspielerin Miriam Paul im Gespräch.

Im Januar auf der Bühne des Theater Fadenschein zu sehen: „Die Wichtelmänner – Eine Geschichte über Dinge, die im Verborgenen geschehen“. Bild: Theater Fadenschein

Inspiration für Jung und Alt

Einmal im Monat gibt es ein Wochenende für Erwachsene, der Rest des Programms richtet sich überwiegend an Kinder ab dem Kindergartenalter. Für die Allerkleinsten ab 1,5 Jahren, gibt es alle ein bis zwei Monate noch ein Zusatzprogramm, mit Stücken die auf ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten angepasst sind. „Viele Eltern kommen auch irgendwann alleine wieder, wenn die Kinder aus der Grundschule raus sind. Es ist kein Begleitkind nötig“, lacht Miriam Paul. Das Engagement des Fadenschein geht jedoch weit über den Theatersaal hinaus. Mehrfach im Jahr besuchen zwei Theaterpädagogen im Rahmen des stiftungsgeförderten Programms „Theater vor Ort“ Vorschulgruppen, um mit diesen gemeinsam über zwei Monate lang eigene Theaterstücke zu entwickeln. Die Ideen werden mithilfe von Improvisation eingesammelt, eigene Masken zusammengebastelt und die Stücke am Ende im Fadenschein präsentiert: „Das ist ein Riesenschritt für die Kinder, um raus in die Welt zu gehen!“

Mehr als nur Unterhaltung

Generell, so Miriam Paul, sei es unheimlich wichtig, dass Kinder bereits im frühen Alter unabhängig von ihrem Elternhaus in Kontakt mit dem Kulturmedium Theater kommen können: „Durch diesen ersten Zugang fühlen sie sich nicht so ausgeschlossen. Die Hürde, später ins Staatstheater zu gehen, wenn man vorher nie Theater als Kind erlebt hat, ist viel höher.“ Die Pandemie habe jedoch durch das Verbot von Ausflügen, dazu beigetragen, dass heute immer weniger Kindergarten- und Schulklassen gemeinsame Vorstellungen besuchen: „Die neuen Generationen haben nicht die Routine, die Gewohnheit erlebt in ihrer Arbeits- oder Einarbeitungszeit mit den Kindern ins Theater zu gehen. Noch dazu haben sie meist keine Zeit, weil eine riesige Personalknappheit herrscht.“ Um dieser Entwicklung zu begegnen, entwickelte Miriam Paul zuletzt mit dem Fahrradtheater eine mobile Spielbühne, um die Geschichten in die Einrichtungen selbst bringen zu können. Der Aufwand für die Betreuenden ist hierdurch geringer, jedoch fällt auch der gemeinschaftsstiftende Aspekt, der durch den Kontakt mit Kindern außerhalb der eigenen Gruppe im Theater entsteht, weg. Dabei sei gerade dieser besonders wertvoll für die Entwicklung junger Kinder: „Hier ist man in Gesellschaft, das ist ein ganz anderes Erlebnis!“

Lichtgestöber – Schneegefunkel“ – Ein visuelles Figurentheater mit Deutscher Gebärdensprache und Lautsprache. Bild: Theater Miamou
„Lenas Fenster“ Bild: Theater Fadenschein

ThaterFLAT für Schulen

Um neue Anreize für den Besuch ganzer Schulklassen zu schaffen, bietet das Fadenschein in Kooperation mit dem Staatstheater Braunschweig seit der Spielzeit 2024/25 die TheaterFLAT für Schulen an. Im Rahmen dieses Programms zahlen Bildungseinrichtungen einen festen Jahresbeitrag, der ihren Schülern kostenfreie Besuche im Theater ermöglicht. „So versuchen wir auch bei den Größeren wieder etwas attraktiver zu werden,“ erklärt Miriam Paul. Doch nicht nur Schülern, sondern auch Studierende möchte das Fadenschein wieder verstärkt in die Theatersäle locken. Erste Anknüpfungspunkte sind bereits mit den Klassen des darstellenden Spiels an der Hochschule für Bildenene Künste (HBK) geschlossen worden, die Miriam Paul durch Workshops und Führungen von den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des Figurentheaters überzeugen möchte: „Unsere Hoffnung ist es, die jungen Leute vom darstellenden Spiel dahingehend inspirieren zu können, dass sie die Welt des Figurentheaters als Spielplatz begreifen.“

Die Welt ist ein Spielplatz

Die Leidenschaft, mit der Miriam Paul sich für ihre Branche engagiert, liegt in ihrer Überzeugung, dass Theater so viel mehr als ein reiner Konsummoment für Groß und Klein ist: „Das ist etwas, aus dem man sehr viel Inspiration für das eigene Arbeiten und Leben mitnehmen kann.“ So bekomme sie zum Beispiel regelmäßig Nachrichten von Eltern, die, inspiriert von einem Stück, mithilfe von Decken Schneelandschaften im heimischen Wohnzimmer nachbauen und die Geschichte so zu Hause weiterspielen. „Die Welt ist ein Spielplatz – man muss ihn nur zu entdecken wissen.“

„Viele Eltern kommen auch irgendwann alleine wieder, wenn die Kinder aus der Grundschule raus sind. Es ist kein Begleitkind nötig.“

Das Theater Fadenschein

› Das 1984 gegründete Theater Fadenschein befindet sich in einer ehemaligen Konservenfabrik aus dem 19. Jahrhundert unweit der Innenstadt und der Universität, direkt am Botanischen Garten. Im Theatersaal mit 100 Plätzen werden ganzjährig eigene Stücke und Gastspiele aus der Welt des modernen Figurentheaters gezeigt. Weitere Infos und das aktuelle Programm gibt es auf www.fadenschein.de.

Braunschweig unter Strom

› Sascha trifft in der 81. Folge von Braunschweig unter Strom⚡Miriam Paul vom Figurentheater Fadenschein. Dabei schaut Sascha hinter die Kulissen und darf erleben, wie vielseitig die Arbeit vor Ort ist. Außerdem probiert er sich selbst beim Spielen der Figuren aus.

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