Wenn es wieder wimmelt, summt und zwitschert

Der Wald bietet einiges an Geheimnissen. Wer sie entdecken will, muss sich nur etwas Zeit nehmen, meint Revierförster Dirk Strauch.

Der Wald als Oase der Ruhe. Viele Menschen wissen aus Erfahrung, wie sehr ein Waldspaziergang dabei helfen kann, die Seele einfach mal baumeln zu lassen oder Gedanken neu zu ordnen. Jetzt ist die beste Zeit, um die Natur mit allen Sinnen zu spüren. Förster Dirk Strauch verrät, warum der Wald jetzt so belebend wirkt.

Die ersten Sonnenstrahlen bewirken im Wald eine Menge. Da die Sonne jetzt schon deutlich höher steht, die Bäume aber noch kaum belaubt sind, wird bei Sonnenschein die Blätterschicht am Boden schnell erwärmt – das wirkt gerade auf Knollengewächse wie ein Booster.

Überall schießen Frühblüher aus dem Boden und verwandeln manche Waldstücke in Blütenmeere. Weiße Buschwindröschen, der hohle Lerchensporn mit weißen bis violetten Blüten, die bläulich-violetten Leberblümchen oder das gelb leuchtende Scharbockskraut und auch der Bärlauch sorgen für das erste frische Grün im Wald. „Der Legende nach heißt Bärlauch so, weil die Bären nach ihrem Winterschlaf die Pflanze als erste Nahrung zu sich nehmen, um ihre Lebensgeister zu wecken“, erzählt der Förster der Niedersächsischen Landesforsten.

Der Frühlingswald bringt so einiges zutage, was lange im Verborgenen ruhte. Die Natur habe es „schlau eingerichtet“, so Strauch. Für viele Insekten bieten die Frühblüher die erste Nahrung. „Nur jetzt haben die Pflanzen am Boden die Chance, genügend Sonne zur Fotosynthese abzubekommen.“ Sobald die Blattknospen der Bäume aufbrechen und die Kronen ein tiefgrünes Dach bilden, erreichen kaum noch Strahlen die niederen Regionen.

Waldgeräusche als Wohltat

Dirk Strauch, der als Revierförster für seinen Arbeitgeber zahlreiche Privatwälder auch auf Braunschweiger Gebiet betreut, weiß: „Um den Geheimnissen des Waldes auf die Spur zu kommen, muss man sich etwas Zeit nehmen.“

Der 49-Jährige rät: „Stellen Sie sich beim nächsten Spaziergang abseits eines Weges mit dem Rücken an einen Baum, um in aller Ruhe zu beobachten und aufzusaugen.“ Überall wimmelt, summt und zwitschert es.

Vögel sind nun besonders gut zu beobachten, weil sie sich noch kaum zwischen Blättern verstecken können. Sie haben ihr prächtigstes Federkleid angezogen und singen als Zeichen der Stärke bei der Partnersuche und zur Revierabgrenzung. Spechte hingegen machen mit Klopfen auf sich aufmerksam – schnelles und lautes Trommeln an hohlen Ästen ersetzt bei ihnen den Gesang. Klopft es eher langsam und dumpfer, ist der Specht auf der Suche nach Leckerbissen.

Wer sich frühmorgens in den Wald begibt, kann als ersten Sänger den Gartenrotschwanz hören, der bis zu 90 Minuten vor Sonnenaufgang beginnt. Dicht darauf folgen Hausrotschwanz, Singdrossel und Rauchschwalbe. Auch in den Abendstunden schwillt das Vogelkonzert nochmal an. Wer Glück hat, entdeckt einen Baumläufer aus der Familie der Sperlingsvögel, der spiralförmig an den Stämmen hochklettert und dabei Haken schlägt wie eine Maus.

Das Klopfen des Buntspechts ertönt entweder im Zuge der Nahrungsbeschaffung oder als Balz-Ritual bei der Partnersuche. Bild: Niedersächsische Landesforsten.

Schöne Wälder in der Nähe

Einen Besuch wert sind zum Beispiel der Timmerlaher Busch im Westen Braunschweigs, Mascheroder Holz und Rautheimer Holz um Mascherode herum im Südosten, der Querumer Forst im Nordosten, Dibbesdorfer Holz und Buchhorst im Osten oder der Thuner Sundern.

„Alles riecht und hört sich nach Leben an, es ist eine Wohltat.“

Dirk Strauch, Revierförster

Wie ein Schwamm mit lauter Leben

Damit Vögel und andere Waldbewohner – Kauze, Spitzmäuse, Igel, Maulwürfe, Fledermäuse, Dachse und Füchse, auch Molche, Frösche und Kröten, Waldeidechsen, Blindschleichen und Kreuzottern – ausreichend Nahrung wie Insekten und Regenwürmer finden, braucht es ein funktionierendes Ökosystem. „Der Wald ist wie ein Schwamm, der Feuchtigkeit speichert“, erklärt Dirk Strauch. Das Blätterdach verhindert in normalen Sommern, dass der Boden austrocknet und das Leben dort zum Erliegen kommt.

Längst wurde in der Forstwirtschaft auch die Bedeutung von Totholz wiederentdeckt. Abgebrochene Äste bleiben liegen, umgefallene oder noch stehende abgestorbene Bäume ebenfalls – es sei denn, es sind vom Borkenkäfer befallene Arten. „Ein abgestorbener Baum ist voller Leben“, betont Strauch. Zu den Bewohnern zählen Ameisen und Käferlarven, Pilze, Bakterien und andere Mikroorganismen. Sie zersetzen das Holz auf natürliche Weise – und produzieren so wertvollen Humus.

Apps zur Vogelbestimmung

Um Vögel zu bestimmen, eignet sich für das Smartphone die kostenlose App NABU Vogelwelt des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Beim Erkennen von Vogelstimmen leistet die ebenfalls kostenlose App BirdNET wertvolle Dienste.

Rehbock im rotbraunen Sommerfell. Bild: Niedersächsische Landesforsten.

Das Ökosystem Wald ist „heute viel unordentlicher als bis in die 1970er Jahre. Davor sahen die Wälder wie aufgeräumt aus“, erklärt Dirk Strauch, denn Äste oder umgefallene Bäume wurden entfernt. Heute wirke es dagegen eher etwas chaotisch: „Auch ein bewirtschafteter Wald, der Holz liefert, muss einen reich gedeckten Tisch für alle Bewohner bieten“ – neben den Pflanzen auch Tieren vom Rothirsch, Reh oder Wildschwein über Schmetterlinge bis zu Schnecken, Spinnen und Asseln.

Der Klimawandel ist ein Grund dafür, warum der Wald auch heute wieder im Wandel ist und immer mehr klimaresistente Bäume gepflanzt werden. Aber das ist wieder eine andere Geschichte …

Klima-Aktie

Mit der Klima-Aktie Wald laden die Niedersächsischen Landesforsten Privatpersonen, aber auch Unternehmen dazu ein, bei der Wiederaufforstung der Wälder zu unterstützen. „Aktien“-Käufe zur Wiederbewaldung und der Entwicklung klimastabiler Mischwälder sind schon ab 10 Euro möglich. Weitere Informationen gibt es hier.

Die Sonne scheint durch frische Buchenblätter. Bild: Niedersächsische Landesforsten.

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