Flusswasserwärme als Baustein der Wärmewende
Auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität spielt die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung eine entscheidende Rolle. Ohne die Wärmewende wird die Energiewende nicht gelingen. BS|ENERGY untersucht derzeit ergebnisoffen, mit welchen Erzeugungstechnologien und aus welchen erneuerbaren Energiequellen in Zukunft der Braunschweiger Wärmebedarf gedeckt werden kann. Eine Möglichkeit: Flusswasserwärme.
Braunschweig liegt zwar nicht an einem großen Strom wie dem Rhein oder der Elbe, aber auch die Oker ist eine erneuerbare Wärmequelle, deren Potenzial es zu prüfen gilt. Dazu kommen mit der Schunter und der Wabe weitere Fließgewässer innerhalb der Löwenstadt. Der im Norden der Stadt verlaufende Mittellandkanal hingegen ist aufgrund fehlender gerichteter Fließrichtung nicht geeignet.
Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass die Oker grundsätzlich in Frage kommt. Durch den Einsatz von Flusswasser-Wärmepumpen könnte sie als Wärmequelle genutzt werden. Wärmepumpen funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie der heimische Kühlschrank – nur umgekehrt: Während beim Kühlschrank die Wärmeenergie aus dem Inneren nach außen abgegeben wird, nutzt die Wärmepumpe die umgebende Wärme zum Beispiel aus dem Flusswasser, bringt sie durch einen Verdichter auf ein höheres Temperaturniveau und gibt sie über einen Wärmetauscher an das Heizwasser der Fernwärme ab. Das Flusswasser ist im Sommer bis zu 25°C warm, im Winter sind es etwa 5° C. In den Wintermonaten kann es daher Zeiten geben, an denen keine Wärme aus der Oker ins Fernwärmenetz gespeist werden kann. „Klar ist, dass eine erneuerbare Energiequelle bzw. eine Erzeugungstechnologie alleine nicht den zukünftigen Braunschweiger Wärmebedarf decken kann. Vielmehr setzt BS|ENERGY auf die Kombination verschiedener erneuerbarer, teilweise dezentraler Erzeugungsanlagen. In einem solchen Wärme-Erzeugungsmix können Flusswasser-Wärmepumpen eine wichtige Rolle spielen“, unterstreicht Dr. Volker Lang, Vorstandsmitglied bei BS|ENERGY.

Bei der Entwicklung eines solchen Projekts berücksichtigt BS|ENERGY zahlreiche Faktoren: Besonders wichtig sind die technischen Parameter wie Wassermenge und Temperatur der Flüsse, die maßgeblich die Effizienz und Leistungsfähigkeit einer möglichen Anlage bestimmen. Parallel dazu arbeitet BS|ENERGY eng mit den zuständigen Wasser- und Naturschutzbehörden zusammen. Ein großer Vorteil bei der Umsetzung liegt insbesondere in der idealen geografischen Lage der Oker. „Der Flussverlauf durch Braunschweig ermöglicht kurze Wege zu potenziellen Wärmeabnehmern, was die Effizienz des Systems steigert. Zudem kann BS|ENERGY auf bereits bestehende Infrastruktur, wie am Heizkraftwerk Mitte, zurückgreifen, was die Installation vereinfacht“, erläutert Sinja van Doren, Projektingenieurin im Team Vertrieb Wärme und Dezentrale Erzeugung – Projektentwicklung bei BS|ENERGY.
Erwünschter Nebeneffekt: Infolge des Klimawandels steigt die Wassertemperatur der Flüsse in Deutschland langsam an – mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Den Flüssen durch Wärmepumpen Wärme zu entziehen, wird daher auch als wünschenswerte Klimafolgeanpassung bewertet.

W wie Wärmewende
Um dem menschengemachten Klimawandel zu begegnen und die globale Erderwärmung auf möglichst 1,5°C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, hat sich die Bundesrepublik als einer von 195 Staaten im Rahmen des Pariser Klimaabkommens 2015 verpflichtet, bis 2045 treibhausgasneutral zu werden.
Die Landesregierung in Hannover hat für Niedersachsen im Niedersächsischen Klimagesetz (NKlimaG) das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2040 festgelegt. Ab dann soll die Wärme zum Heizen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen oder unvermeidbarer Abwärme stammen. Das soll mithilfe der Energiewende gelingen: weg von fossilen Energieträgern wie Öl, Erdgas und Kohle, bei deren Gewinnung, Transport und Verbrennung klimaschädliche Treibhausgase entstehen, hin zu einer Energieversorgung aus erneuerbaren Energiequellen.
Die Wärmewende ist essenziell für das Gelingen der Energiewende, denn über 50 Prozent der Energie werden laut Umweltbundesamt in Deutschland für die Wärmeerzeugung eingesetzt. In Privathaushalten werden sogar fast 90 Prozent der Energie für Wärme wie Heizung, Warmwasser und Klimatisierung aufgewendet – mit rund zwei Dritteln entfällt der Großteil dabei auf das Heizen.
Lesen Sie mehr zu den Herausforderungen der Wärmewende und was BS|ENERGY derzeit untersucht in unserem ausführlichen Online-Artikel „W wie Wärmewende“.









