Das Stromnetz der Zukunft – auch vor 125 Jahren schon eine riesige Herausforderung

Das Uhrenradio weckt uns. Während wir uns im Bad frisch machen und Föhn oder Elektrorasierer benutzen, brüht eine Maschine den Kaffee auf. Elektrische Energie ist stets verfügbar – aber das war nicht immer so. Das öffentliche Braunschweiger Stromnetz hat seine Anfänge im Jahr 1900.

So bahnbrechend – wenn auch umstritten – die Entscheidung war, stadtweit auf Elektrizität zu setzen, so groß sind 125 Jahre später die Herausforderungen für das Stromnetz der Zukunft. BS|ENERGY als Stromerzeuger und -lieferant sowie das Tochterunternehmen BS|NETZ als Betreiber unter anderem des Stromnetzes reagieren permanent auf sich ändernde Rahmenbedingungen. Zu den Herausforderungen gehören Ausbau und Weiterentwicklung des Verteilnetzes in der Stadt.

Blicken wir zum Jubiläum mit Historiker Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel auf die Anfänge lokaler Stromversorgung. Im 19. Jahrhundert hatten die Braunschweiger bereits eine technische Revolution hinter sich: Nach heftigen Diskussionen nahm 1852 das erste Gaswerk nahe des alten Bahnhofs den Betrieb auf. Nach kurzer Zeit brannten die ersten Gaslaternen in der Innenstadt.

Die Technik entwickelte sich rasant weiter. Während in vielen europäischen Städten elektrische Straßenbeleuchtung auf dem Vormarsch war, wurde im Braunschweig der 1880er Jahre zunächst die Gasbeleuchtung weiter perfektioniert. Erste Handelsbetriebe begannen aber, in Blockstationen, kleinen dezentralen Kraftwerken, Strom für eigene Zwecke zu produzieren. Wie schon gut 40 Jahre zuvor beim Gas machten sich Honoratioren wie Max Jüdel und Constantin Uhde dafür stark, eine Kraftwerkstation aufzubauen. Die Stadt fürchtete Konkurrenz für ihre Gaswerke – 1898 gab sie den Widerstand auf.

So ging am 1. April 1900 mit dem Lichtwerk Wilhelmstraße das erste städtische Elektrizitätswerk in Betrieb. Große Dampfkessel und Generatoren zeugten von industrieller Moderne. Der Schornstein des Kraftwerks wurde zum Wahrzeichen für Fortschritt. Das Lichtwerk Wilhelmstraße versorgte neben bereits auf elektrische Laternen umgestellten Straßenzügen zunächst vor allem öffentliche Gebäude und einige Betriebe mit Strom. Parallel brannten weiter Gaslaternen – die letzte wurde erst 1973 ersetzt.

Elektrifizierte historische Gaslaterne im Prinzenweg.

Lichtwerke

Kraftwerke wurden oft als Lichtwerke bezeichnet, da der Strom zunächst vor allem zur Beleuchtung genutzt wurde. Mehr und helleres Licht verbesserte das Sicherheitsempfinden.

Der Bedarf an Strom wuchs schnell. Schon bald erhielt das Lichtwerk leistungsfähigere Generatoren und verbesserte Steuerungstechnik. Zunächst war die Stadt mit Gleichstrom versorgt worden, in den 1910er-Jahren wurden Anlagen gebaut, die Wechselstrom erzeugten. 1916 ging ein Drehstromwerk am heutigen Standort des Heizkraftwerks (HKW) Mitte ans Netz. Die technische Entwicklung war auch im Stadtbild sichtbar: Trafohäuschen, Leitungsmasten und neue Beleuchtungskörper prägten das öffentliche Bild. Die elektrische Beleuchtung setzte sich aber erst ab 1938 endgültig durch, als Gas- und E-Werke in den Stadtwerken vereinigt wurden.

Der kleine Rückblick zeigt, dass jede Zeit besondere Energie-Herausforderungen hatte und hat. Heute stehen BS|ENERGY und BS|NETZ vor der Aufgabe, ihren Teil zur Energiewende und zu einer flexiblen, ökologischen und bezahlbaren Energieversorgung beizutragen.

Strom wird in Braunschweig nicht mehr aus Kohle gewonnen. Rund 250 Millionen Euro wurden am Standort Mitte investiert, um Elektrizität und Wärme durch ein Biomasse-Heizkraftwerk mit dem Brennstoff Altholz in Kombinationmit einem Gasturbinen-Heizkraftwerk zu erzeugen.

Das Stromnetz der Zukunft transportiert nicht nur Energie, sondern auch Daten. Bis 2032 werden in Deutschland alle analogen Stromzähler durch digitale Zähler oder Smart Meter ersetzt. Letztere ermöglichen die datenschutz- und datensicherheitskonforme Einbindung der Zähler ins Stromnetz.

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Von den Anfängen der öffentlichen Stromversorgung in Braunschweig vor 125 Jahren und den Herausforderungen der Zukunft.

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